Prävention

Für die kommenden Monate gerüstet

© Pixabay

Diesen Artikel per E-Mail empfehlen

CAPTCHA
Bitte beantworten Sie die Frage. So wissen wir, dass es kein Spam ist.
1 + 3 =
Lösen Sie diese einfache mathematische Aufgabe und geben das Ergebnis ein. z.B. Geben Sie für 1+3 eine 4 ein.

Gerade für Krebspatienten ist die kalte Jahreszeit eine ganz besondere Herausforderung: Grippale Infekte, die jährliche Influenza und nicht zuletzt Corona bedrohen die allgemeine Gesundheit und womöglich auch noch den Erfolg der Therapie gegen die Krebserkrankung.

Wie halte ich mein Immunsystem fit? Wie schütze ich mich gegen einfache Erkältungen und gegen die Grippe? Alle Jahre wieder sind diese Fragen für Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen von vielleicht sogar lebenswichtiger Bedeutung. Und in diesem Winter kommt eine weitere große Gefahr dazu: Die Corona-Zahlen steigen und die Infektionsgefahr wächst.

Influenza-Impfung während der Chemotherapie

Auch bei Vorliegen einer onkologischen Erkrankung sollte man sich gegen die saisonale Influenza jedenfalls impfen lassen. Als Impftermin wäre die zweite Novemberhälfte sinnvoll, da die echte Influenza erst ab Dezember bei uns in Österreich auftritt; wenige Tage vor dem nächsten Chemotherapie-Zyklus erscheint dabei als günstigster Zeitpunkt.

Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom, die einen Antikörper gegen CD20 (z.B. Mabthera) erhalten, profitieren – wegen der deutlich schlechteren Immunantwort – eher nicht von einer Influenza-Impfung.

Das Spektrum an möglichen seltenen Nebenwirkungen der Grippeimpfung ist nicht anders als bei Menschen ohne Chemotherapie.

Sind Impfungen für Krebspatienten generell zu empfehlen?

Sogenannte „Totimpfstoffe“ können generell ohne erhöhtes Risiko eingesetzt werden, weil diese Impfstoffe entweder abgetötete Krankheitserreger oder nur Teile der Erreger beinhalten und daher selbst keine Infektionen verursachen können.

Dazu gehören Impfstoffe gegen z.B. Influenza, Pneumokokken, FSME und Tetanus.

Speziell eine Impfung gegen Pneumokokken (Lungenentzündung) erachtet Prof. Dr. Öhler als sinnvolle Ergänzung zur jährlichen Grippeimpfung.

Unterstützung des Immunsystems bei Krebs

Als einzige – erwiesenermaßen sinnvolle – Maßnahme gilt eine vitaminreiche und abwechslungsreiche Mischkost bestehend aus Obst, Gemüse und Eiweißquellen in Kombination mit ausreichend körperlicher Bewegung. „Je fitter Sie sind, desto widerstandsfähiger sind auch Ihr Körper und Ihr Immunsystem“, so Prof. Dr. Öhler.

Von sonstigen „Wundermitteln“ ist nicht viel zu erwarten.

Corona und Krebs

Wie die Beobachtungen der vergangenen Monate zeigen, besteht für Patienten mit einer Krebserkrankung und laufender Chemotherapie kein erhöhtes Risiko, an „Corona“ zu erkranken.

Krebspatienten mit einer nachgewiesenen SARS-CoV-2 Infektion hatten zudem keine offensichtlich schwereren Verläufe. Prof. Öhler: „Klar ist, dass Patienten mit einer Krebserkrankung und Chemotherapie insgesamt ein – schwer messbar, aber doch mehr oder weniger – beeinträchtigtes Immunsystem haben. Klar ist aber auch, dass dies nicht automatisch einen schweren Verlauf einer allfälligen Corona-Infektion bedeutet.“

Keine Chemotherapie wegen Corona?

Eine Verschlechterung der Prognose einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus (= „Corona“) wurde für Patienten während der Chemotherapie wissenschaftlich bisher nicht gesichert. „Wir haben an unserer Abteilung einige Chemotherapie-Patienten erlebt, die eine nachgewiesene Infektion hatten, aber keine oder nur geringe Corona-Symptome.“ (Öhler)

Das Bestreben, eine Chemotherapie zur Senkung des Rückfallrisikos wegen Corona um mehrere Wochen zu verschieben, entbehrt daher jeder wissenschaftlichen Grundlage. Ähnliches gilt bei nicht operabler Tumorerkrankung, wenn der Patient eine Chemotherapie wegen der Corona-Pandemie aufschieben möchte.

Eine Verweigerung der Chemotherapie führt in diesen Fällen meist zu negativen Effekten auf den Krankheitsverlauf bzw. zur Verschlechterung der Prognose.
 

Ein Beitrag von:

Prim. Univ. Prof. Dr. Leopold Öhler
Vorstand der Abteilung für Onkologie
Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien