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Coronavirus: Wissenswertes für Darmkrebspatienten

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Erstellt am 09.03.2020 von Redaktion

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Ruhig zu bleiben fällt in Zeiten der Panikmache angesichts des Coronavirus schwer. Warum wir es trotzdem tun sollten, erklärt uns der Wiener Onkologe Prof. Dr. Heinz Ludwig.

Die wichtigste Frage zuerst: 
Wie reagieren Krebspatienten ganz allgemein auf das Virus? Derzeit gibt es kaum Informationen aus Fallberichten, wie Krebspatientinnen und Krebspatienten auf einen Kontakt mit dem Virus reagieren. Es ist aber davon auszugehen, dass Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist (Immunsuppression), schneller und möglicherweise auch schwerer erkranken als Gesunde.
Krebspatienten können aus verschiedenen Gründen ein schwaches Immunsystem haben, darauf weist auch die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) hin: Erkrankung an einer Leukämie oder einem Lymphom, wenig weiße Blutkörperchen im Blut (Leukozytopenie), wenig Antikörper im Blut (niedrige Immunglobulinwerte), langfristige Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (zum Beispiel Steroide), Transplantation körperfremder Stammzellen oder andere zelluläre Therapien (zum Beispiel eine CAR-T-Zell-Therapie). (Quelle: www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2020/news012-coronavirus-ansteckungsgefahr-bei-krebs.php, © 2020 Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum)

Wie sieht das konkret bei Darmkrebspatienten aus? Krebs ist nicht gleich Krebs. Und wir können davon ausgehen, dass Patienten mit Dickdarmkrebs - sofern sie nicht unter laufender Chemotherapie stehen - in der Regel ein normal funktionierendes Immunsystem haben.


Zum Virus: Das Corona Virus (SARS CoV-2) hat vor wenigen Monaten in der Stadt Wuhan durch Veränderung seines genetischen Materials (Mutationen) den Sprung vom Tierreich zum Menschen geschafft.

Ansteckung: Die Ansteckung erfolgt vorwiegend durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Speichel) oder auch über direkten Kontakt mit kontaminierten Körperflächen (zumeist Hände) sowie verschiedenen Gegenständen des Alltags.

Symptome: Eine SARS CoV-2 Infektion verursacht in der Regel leichte Symptome wie andere Erkältungskrankheiten, wie Fieber, Husten, Müdigkeit. Allerdings können auch schwerwiegende Symptome wie Kurzatmigkeit und Atemnot sowie selten auch tödliche Komplikationen, insbesondere bei Personen mit geschwächten Immunsystem, auftreten. Die Todesrate liegt derzeit bei 2,3%.

Wie kann ich mich vor Infektionen schützen:  Vermeidung von Kontakt mit anderen Menschen, sorgfältiges Händewaschen (siehe untenstehender Link zu einer detaillierten illustrierten Instruktion sowie zu einem Video), Schutzkleidung. Mundmasken sind hier leider nicht ausreichend, sie reduzieren allerdings die Gefahr der Verbreitung von Viren von bereits infizierten Personen.

Inkubationszeit: bisher offensichtlich bis zu 2 Wochen vor Ausbruch einer Infektion und die ersten Tage während einer klinisch symptomatischen Infektion.

Behandlung der Symptome: Symptomatisch nach Erfordernis, z.B. fiebersenkend, Behandlung von bakteriellen Superinfektionen, Sauerstoffgabe bei Atemnot.

Behandlung der Virusinfektion: Eine Behandlung zur Eindämmung der Virusinfektion ist bisher nicht etabliert. Allerdings gibt es bereits zahlreiche Versuche, einerseits das Eindringen von Corona-Viren in Körperzellen zu verhindern, als auch deren Vermehrung zu hemmen.

Was tun bei Auftreten von grippeähnlichen Symptomen: Kontakt-Aufnahme mit Experten der AGES über Telefonnummer 0800 555 621 (24 Stunden erreichbar) oder über das Gesundheitstelefon 1450. Keinesfalls selbst in eine Arzt-Ordination oder Ambulanz gehen!

Kann ich mich auf Vorliegen einer Corona-Virus-Infektion testen lassen: Experten entscheiden nach ausführlicher Analyse Ihrer Situation ob eine Testung sinnvoll oder notwendig ist.

Kann ein Patient aus seinem Blutbefund ersehen wie stark oder schwach sein Immunsystem ist: Nur bedingt, da selbst bei niedrigen Zahlen von weißen Blutkörperchen die Abwehr funktionieren kann. Sind die Lymphozyten stark reduziert, so kann dies mit einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Virusinfektionen verbunden sein.

Wichtige Informationsquellen:


Generelle Bemerkung: Die Ausbreitung der Corona-Infektion ist, wie die letzte Entwicklung zeigt, nicht aufzuhalten. Ähnlich wie bei der Vogelgrippe oder den jährlichen Influenza-Epidemien, wird die Infektionswelle wieder spontan abklingen und zwar bereits in den nächsten Monaten.

Interessant ist, dass die hohen Todesraten, die durch die jährlichen Grippewellen entstehen, keine öffentliche Aufmerksamkeit nach sich ziehen, obwohl in Österreich im Jahr 2019 über 1000 Menschen daran gestorben sind. Diese Todesfälle wären zum Großteil durch die Grippeimpfung zu vermeiden. Dennoch lässt sich nur ein kleiner Teil der Österreicher Grippeimpfen.

Autor:
Prof. Dr. Heinz Ludwig
Wilhelminen Krebsforschungsinstitut,
c/o I. Medizinische Abteilung
Wilhelminenspital, Wien