Hautprobleme durch die Krebstherapie:

So fühlen Sie sich wieder wohl in Ihrer Haut!

Bild des Benutzers redaktion
Erstellt am 16.05.2011 von Redaktion

Diesen Artikel per E-Mail empfehlen

CAPTCHA
Bitte beantworten Sie die Frage. So wissen wir, dass es kein Spam ist.
2 + 5 =
Lösen Sie diese einfache mathematische Aufgabe und geben das Ergebnis ein. z.B. Geben Sie für 1+3 eine 4 ein.

Durch die Krebstherapie kann es zu Hautproblmen kommen – informieren Sie sich hier, was Sie dagegen tun können!

OA Dr. Markus Dawid, Vorstand der Dermatologischen Ambulanz am Kaiser-Franz-Josef-Spital/SMZ Süd (Wien) referierte zu sehr ausführlich zu diesem Thema beim Treffen der Selbsthilfe Darmkrebs im Mai 2013.

In der Apotheke gibt es sehr sanfte Reinigungs-Gele, die auf der sog. Mizellen- Technologie basieren. Diese werden auf die trockene Haut aufgetragen und dann mit einem Wattepad abgenommen und/ oder mit Wasser weggewaschen. Weiters sind in der Apotheke schon Produkte zur Basis-Pflege erhältlich, die speziell für die Rosacea-Haut entwickelt wurden. Reichen diese Pflegeprodukte nicht aus, kann der Dermatologe helfen. Meist kommt es dann zum Einsatz von bestimmten Antibiotika (Tetrazykline), in schweren Fällen ergänzt durch eine lokale Begleitmedikation mit leichten Kortison- oder Pimecrolimus-Cremen.

  • Da einige dieser Medikamente lichtemp- findlich machen können, sollte tagsüber auch ein guter Sonnenschutz verwendet werden.
  • Für Männer gilt: eher die Trockenrasur wählen! Eine Nassrasur irritiert die Haut und kann zu Entzündungen der Haarfollikel führen. Bei Auftreten des akneähn- lichen Ausschlags sollte der Arzt befragt werden – meist muss man dann mit der Rasur einige Tage pausieren.

Hand-Fuß-Syndrom

Beim Hand-Fuß-Syndrom kommt es – meist nach wenigen Zyklen der Chemo- therapie – zu einer vorübergehenden, schmerzenden Rötung an den Hand- und Fußsohlen. Im weiteren Verlauf kann auch ein blasiges Abheben der obersten Hautschichten stattfinden. Bei einer Chemotherapie werden Medika- mente (Zytostatika) eingesetzt, die hauptsächlich auf schnell wachsendes Gewebe wirken. Dabei wird die Zellteilung unterbunden und so das Wachsen des Tumors verhindert.
Da die Zellen in schnell wachsendem Gewebe in der Regel auch keine lange Lebensdauer haben, sterben sie im günstigen Fall ab, ohne sich vorher vermehrt zu haben. Auf diese Weise wird Tumorgewebe verkleinert oder verschwindet sogar zur Gänze.

Wirkungen von Zytostatika auf Haut, Haare und Nägel

Unsere Haut und die Hautanhangsgebilde (Haare, Nägel) gehören ebenfalls zu den schnell teilenden Geweben. Vor allem in der Grenzzone zwischen Oberhaut (Epidermis) und Lederhaut (Dermis) liegen die basalen Stammzellen, die häufig Angriffspunkt für Nebenwirkungen der Chemotherapie sind. Diese führt einerseits zu einer Änderung der Zellteilung, andererseits zu einer qualitativ nicht der Norm entsprechenden Zellreifung. Je nach Lokalisation resultieren daraus die unterschiedlichsten Haut-Symptome in verschiedenen Phasen der Therapie. Meist in den ersten Wochen kann es zu einem akneähnlichen Ausschlag im Gesicht und am Körper kommen, ebenso zum sog. Hand-Fuß-Syndrom; im späteren Verlauf zu Trockenheit der Haut sowie Veränderungen an den Fingernägeln; der Haarzyklus wird unterbrochen; generell klagen viele Patienten über Sonnenempfindlichkeit.

Akneähnlicher Ausschlag

Ein solcher Ausschlag tritt vor allem bei Antikörper-Therapien auf. Meist nach ein bis zwei Therapie-Zyklen kommt es zu Rötungen der Gesichtshaut, aber auch im Bereich des oberen Rückens und am Dekolleté. Auch kleine rote Knötchen und Pusteln (mit Eiter gefüllte Bläschen) sind möglich. Dabei handelt es sich um keine Infektion, sondern eben um eine bekannte Nebenwirkung der Antikörper- Therapie.

Der Wirkmechanismus

In der Basalschicht – wo die Stammzellen für die erste Hautschicht (Epidermis) liegen – befinden sich Rezeptoren, die jenen im Tumorgewebe ähnlich sind. Bei der Antikörper-Therapie werden sämtliche Rezeptoren erfasst: Die am Tumor erwünschte Wirkung führt an der Haut zu den unerwünschten Nebenwirkungen. Die gute Nachricht: Je stärker die Hautreaktionen ausfallen, desto mehr kann man davon ausgehen, dass die Therapie auch am Tumorgewebe gut greift! Das klinische Bild der Nebenwirkungen an der Haut entspricht dem einer Dermatose namens „Rosacea“ – daher kann der Dermatologe in der Therapie ähnlich vorgehen.

Folgende Maßnahmen helfen:

  • Zur Reinigung vor allem der Gesichtshaut empfiehlt es sich, keine zu aggressiven, austrocknenden Seifen zu verwenden.

Der Mechanismus

Der genaue Mechanismus, der zu diesen Nebenwirkungen führt, ist noch nicht gänzlich geklärt. In der medizinischen Fachliteratur werden eine dichtere Anordnung von klein- sten Blutgefäßen in der Haut und die vermehrte Druckbelastung dieser Körperstellen diskutiert. Daraus resultieren oft sehr empfindliche Stellen, weil „frische“ Haut nachkommt, die noch keine intakte Hornhaut aufweist und daher die wichtige Barriere- funktion gegenüber der Umwelt noch nicht ausreichend erfüllen kann.

Auch in diesem Zusammenhang sind sanfte Reinigung und gezielte Pflege von besonderer Wichtigkeit:

  • Es empfiehlt sich eine sehr milde Reini- gung z.B. mit Duschölen – diese enthalten reinigende Tenside bereits in einem rückfettenden Körperöl.
  • Bei Chemotherapie ist die richtige Pflege der Haut (Pflegeprodukte aus der Apotheke!) an den Handflächen und Fußsohlen von Beginn an ein ganz wesentlicher Punkt.
  • Über Nacht sollten sehr reichhaltige (wasserarme) Texturen verwendet wer- den, eventuell mit Urea (= künstlicher Harnstoff, der feinste Hornschüppchen sanft abträgt und zusätzlich Feuchtigkeit speichert).
  • Um den Effekt der Pflege an den Handflächen/Fußsohlen zu verstärken, kann man nach dem Eincremen über Nacht dünne Baumwoll-Handschuhe/Socken für einige Stunden während des Schlafens tragen.
  • Für den Tag ist eine leichte, rasch einziehende Lotion oder ein leichter Pflege- schaum zu wählen, die zum Teil auch wasserabweisend sind.
  • Bei Auftreten von Rötungen und/oder Blasenbildung wird der Dermatologe lo- kale Kortison-Salben verschreiben. Diese können dann auch wieder über Nacht mit Handschuhen/Socken bestmöglich einwirken.

Trockene Haut

Im Laufe einer Chemotherapie kommt es bei den meisten Patienten zu einer merkbar stärkeren Hauttrockenheit. Dies er- klärt sich durch die geschwächte Barrierefunktion der Haut: Sie kann die eigene Feuchtigkeit nicht mehr so gut speichern und äußere Einwirkungen führen zu Irritationen. Dem kann man sehr einfach – gleich von Beginn der Therapie an – entgegenwir- ken. Einfachste Methode ist das Ölbad.

Das Ölbad

Zuerst die Haut in der Badewanne oder unter der Dusche reinigen – dabei nimmt die oberste Hautschicht Wasser/Feuch- tigkeit auf. Zum Abschluss das Ölbad ins Badewasser hinzugeben bzw. unter der Dusche einige Tropfen des Ölbades auf die noch nasse Haut auftragen. Nicht mehr Abspülen – mit einem Handtuch lediglich sanft trocken tupfen.

Folgende weitere Pflege-Tipps können bei trockener Haut hilfreich sein:

  • Körperpflege-Produkte mit Beratung aus der Apotheke
  • Herbst/Winter: reichhaltigere Texturen
  • Cremen, Balsam
  • Frühjahr/Sommer: leichtere Texturen (Lotionen, Milch)
  • Für spezielle Bereiche wie Unterschenkel, Lippen, Ellbögen gibt es spezielle Pflege- produkte!
  • Regelmäßige Reinigung der Kopfhaut mit mildem Shampoo und eventuell Balsam
  • Spezialshampoo bei Schuppenbildung

Sonnenschutz für die empfindliche Haut

Sowie die Haut trockener wird, reagiert Sie auch oft empfindlicher auf die Sonne. Zu bedenken ist, dass UV-Strahlung sich überall befindet – auch im Schatten; und UV-Strahlen werden reflektiert (Wasser, Gras, Sand, Hausmauern) und können sogar dünneres Glas (Autoscheibe) noch durchdringen.

Tipps zum Thema Sonnenschutz bei chemotherapiebedingter Hauttrockenheit:

• Vom Dermatologen oder in der Apotheke beraten lassen!
• Produkte mit hohem Lichtschutzfaktor (gegen UVB-Strahlung) verwenden – z.B. LSF 50.
• Auch auf einen hohen UVA-Schutz achten (auf diesen bezieht sich der PPD-Wert; da UVA-Strahlen tiefer in die Haut ein- dringen, sind sie hauptverantwortlich für licht-induzierte Allergien).
• Sich durch geeignete Kleidung schützen.
• Direkte Sonne von 11 bis 15 Uhr meiden!

Achtung! Ist die Chemotherapie mit einer Strahlentherapie kombiniert, dann hat das letzte Wort immer der Radioonkologe! Abschließend kann gesagt werden, dass Nebenwirkungen an der Haut meist nach Ende der Therapie sehr rasch wieder ab- klingen. Nur trockene Haut braucht etwas länger zur Regeneration.

 

OA Dr. Markus Dawid

Vorstand Dermatologie
Kaiser Franz Josef Spital/SMZ Süd

City Medical
Schottengasse 3-3A
I.Hof, 3. Stock
1010 Wien
+43 -1- 533 92 14