Vorsorge-Methoden

Darmkrebs-Früherkennung

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Nicht oft genug ist zu betonen: Durch regelmäßige Vorsorgekoloskopien wären 70% der Darmkrebsfälle vermeidbar. Noch gutartige Polypen als Vorstufen des Darmkarzinoms können auf diese Weise frühzeitig entfernt werden. Daher ist die Vorsorgekoloskopie ab dem 50. Lebensjahr (sowie in der Folge alle 10 Jahre) ein Teil der Gesundenuntersuchung, deren Kosten von den Krankenkassen getragen werden.

Koloskopie: Auf die Qualität kommt es an!

Darmkrebs-Vorsorgeprogramme funktionieren nur, wenn die Vorsorgekoloskopien mit höchst möglicher Qualität durchgeführt werden.

Zu den Qualitätsparametern der Vorsorgekoloskopie gehören insbesondere:

  • Hohe Adenomentdeckungsrate des koloskopierenden Arztes (mindestens 25%)
  • Adäquate Vorbereitung (= optimale Darmreinigung)
  • Zökumerreichrate (Zökum = Areal des Übergangs vom Dünn- zum Dickdarm) von mindestens 95%
  • Leichte Sedierung (= Sedoanalgesie) – erfolgt in Österreich heute bei 87% der Patienten
  • Polypektomierate von mindestens 95% (Polypektomie = Entfernung von Polypen im Zuge der Koloskopie)
  • Minimale Komplikationsraten (Blutungen nach Polypektomie, Darmperforationen)
     

Gibt es Alternativen zur Vorsorgekoloskopie?

Als mögliche Alternative zur Vorsorgekoloskopie stehen zwei Arten von Früherkennungstests zur Verfügung:

  • Immunologischer Test auf okkultes Blut im Stuhl (FIT)
  • Test auf Krebs-DNA im Stuhl

Beide Tests haben eine hohe Sensitivität für Darmkrebs (FIT: 74%, Stuhl-DNA-Test 92%), lassen jedoch hinsichtlich der Entdeckung von Vorstufen zu wünschen übrig. So weisen FIT-Tests eine Sensitivität von nur 27% für fortgeschrittene Adenome auf, Stuhl-DNA-Tests eine solche von immerhin 46% (entdecken aber somit auch nur deutlich weniger als die Hälfte größerer Adenome/Polypen).

Die zwei Testmethoden können auch kombiniert werden:

  • FIT-Test
  • Stuhl-DNA-Test
  • Koloskopie notwendig, wenn einer der beiden Tests positiv ausfällt

Obwohl die Stuhl-Tests also eine Koloskopie keinesfalls ersetzen können, sind sie doch eine Option für Patienten, die nicht bereit sind, eine Koloskopie vornehmen zu lassen. Sollten hier kleinere Polypen unentdeckt bleiben, so kann damit wenigstens Darmkrebs im Frühstadium erkannt und rechtzeitig operativ entfernt werden.

Seitens der EU wird sowohl die Koloskopie als auch ein FIT-Test als adäquate Vorsorge/Früherkennung gleichermaßen empfohlen. Da die Teilnahmeraten am FIT-Screening deutlich höher sind als jene am Koloskopie-Screening, resultiert daraus eine erhöhte Effektivität des FIT-Tests. In Europa gibt es Staaten, die auf das primäre Koloskopie-Screening setzen (Deutschland, Österreich, Polen), andere Länder wiederum bevorzugen das FIT-Screening (Niederlande, Frankreich, Spanien).

Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass eine Koloskopie alle 10 Jahre (bei negativem Ergebnis) genügt, um adäquat vorzusorgen. Demgegenüber muss der Test auf Blut im Stuhl (FIT) jährlich wiederholt werden und im Fall eines positiven Tests ist in der Folge jedenfalls zusätzlich auch eine Koloskopie erforderlich.

Don’t wait!

Dieser Appell von Krebshilfe und ÖGGH richtet sich sowohl an die Bevölkerung, eine Darmspiegelung vornehmen zu lassen, als auch an die Gesundheitspolitik, das Darmkrebs-Screening voranzutreiben.

Seit 18 Jahren appellieren die Österreichische Krebshilfe und die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) an Österreichs Frauen und Männer, die Darmkrebsvorsorge ab 50 ernst zu nehmen. Mit Erfolg: Mehr als 10.000 Frühkarzinome oder deren unmittelbare Vorstufen konnten in den letzten Jahren endoskopisch entfernt werden. Vielen Menschen wurden damit aufwändige Therapien, lange Krankheit und großes Leid erspart!

Trotzdem verzichten leider noch immer viel zu viele ÖsterreicherInnen auf die regelmäßige Koloskopie ab dem 50. Lebensjahr.

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„Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge“ in Österreich

Da es für die im Jahr 2005 in Österreich eingeführte Vorsorgekoloskopie keine einheitlichen Qualitätsstandards gab, hat die österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) zusammen mit dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger und der Österreichischen Krebshilfe im Jahr 2007 das Projekt „Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge“ ins Leben gerufen.

Dieses Projekt überprüft die Qualität der – in wachsender Zahl freiwillig – teilnehmenden koloskopierenden Ärztinnen und Ärzte. Werden die vorgeschriebenen Qualitäts- und Hygienerichtlinien eingehalten, so wird das Qualitätszertifikat verliehen.

Nähere Informationen über das Projekt sowie eine Auflistung der qualitätszertifizierten endoskopierenden/koloskopierenden Stellen in Österreich finden sich auf der Homepage der ÖGGH unter: www.vorsorgekoloskopie.at

 

Noch mehr Informationen:
Krebshilfe-Broschüre „Darmkrebsvorsorge“

Auch diese neue Broschüre der Österreichischen Krebshilfe enthält u.a. eine Auflistung aller 244 Spitalsabteilungen und Ordinationen mit dem „Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge“. Die Broschüre kann bei der Krebshilfe kostenlos angefordert werden (service@krebshilfe.net) bzw. steht auf www.dontwait.at als Download zur Verfügung.

 

Ein Beitrag von:


Ao. Univ. Prof. Dr. Monika Ferlitsch

Universitätsklinik für Innere Medizin III
Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie
Medizinische Universität Wien
Ordinationsgemeinschaft
Semperstraße 29/2, 1180 Wien

monika.ferlitsch@meduniwien.ac.at